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Von Pflicht zu Profit: Barrierefreie B2B-Software als Gamechanger

Barrierefreie B2B-Software ist mehr als ein Trend – sie ist ein profitabler Gamechanger. Wer inklusiv denkt, erschließt neue Märkte, spart Kosten und bleibt wettbewerbsfähig. Erfahren Sie mehr.

Inklusion und Gleichberechtigung sind längst keine Zukunftsthemen mehr – sie gehören heute zum Alltag. Besonders in der Softwareentwicklung wird Barrierefreiheit immer wichtiger. Während im B2C-Bereich und bei öffentlichen Einrichtungen barrierefreie Lösungen weitgehend anerkannt sind, hinkt der B2B-Sektor oft hinterher. Dabei bietet barrierefreie Software nicht nur ethische Vorteile, sondern auch handfeste Geschäftschancen. 

Status Quo und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) haben sich weltweit als Standard für digitale Barrierefreiheit etabliert. In Deutschland müssen diese Richtlinien bis Juni 2025 im Rahmen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) umgesetzt werden. Öffentliche Institutionen gehen bereits mit gutem Beispiel voran – so bietet selbst die Tagesschau ihre Nachrichten in einfacher Sprache an. Das Sozialgesetzbuch IX in §164 Absatz 4  verankert zudem den Anspruch auf einen barrierefreien Arbeitsplatz für Menschen mit Schwerbehinderung. Doch viele Unternehmen im B2B-Bereich bleiben bisher passiv – trotz der bestehenden gesetzlichen Vorgaben und den zunehmend strengeren Gesetzen in Europa. Es gibt immer noch eine weit verbreitete Meinung, dass Barrierefreiheit keinen echten Mehrwert bringt. Aber stimmt das wirklich?

 

Wirtschaftliche Chancen durch barrierefreie Software

Barrierefreie Software eröffnet Zugang zu neuen Märkten. In Deutschland betrifft dies:

  • Rund 1,2 Millionen Menschen mit schweren Sehbeeinträchtigungen, die auf Hilfsmittel wie Screenreader angewiesen sind.
  • Etwa 7,8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung, von denen 11% motorische Einschränkungen haben und spezielle Eingabehilfen benötigen.
  • 6,2 Millionen Menschen, die auf einfache Sprache oder Vorlesefunktionen angewiesen sind.
  • Rund 8 Millionen ältere Arbeitnehmer, die von Barrierefreiheitstools profitieren könnten.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Menschen mit Barrierefreiheitsanforderungen keinesfalls eine kleine Randgruppe sind, sondern einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachen. Hinzu kommen Menschen, die temporär auf Barrierefreiheit angewiesen sind, etwa nach einem Schlaganfall. Experten schätzen, dass ein großer Teil dieser Menschen erwerbsfähig ist und daher einen Anspruch auf einen barrierefreien Arbeitsplatz gemäß §164 SGB IX hat.

Unternehmen, die Barrierefreiheit von Anfang an berücksichtigen, vermeiden teure nachträgliche Anpassungen – vor allem, wenn in Europa gesetzliche Anforderungen in Zukunft weiter verschärft werden. Barrierefreie Systeme senken auch Schulungskosten, erleichtern die Wiedereingliederung und fördern die Einstellung von Menschen mit Behinderungen. Das vergrößert den Talentpool und senkt Rekrutierungskosten.

Der „State of Digital Accessibility Report 2023“ zeigt: 73% der Unternehmen fordern Barrierefreiheit bei der Softwarebeschaffung. Wer jetzt auf Barrierefreiheit setzt, sichert sich einen klaren Wettbewerbsvorteil. Und nicht zu vergessen: Websites, die nicht barrierefrei sind, verlieren Umsatz. Nutzer mit Barrierefreiheitsbedürfnissen verlassen 69% der nicht-barrierefreien Websites ohne Kommentar. Allein im B2C-Bereich verursachte dies 2019 in Großbritannien einen Schaden von rund 17 Milliarden Pfund. Auch der B2B-Sektor hat hier einen spürbaren Verlust.

Wie Unternehmen Barrierefreiheit vorantreiben können

Um Barrierefreiheit langfristig zu integrieren, sollten Unternehmen folgende Schritte unternehmen:

  • Regulatorische Anforderungen wie das BFSG und die WCAG als Mindestanforderungen ansehen.
  • Das Thema von Beginn an ansprechen und alle Stakeholder sensibilisieren.
  • Barrierefreiheits-Audits durchführen, um Schwachstellen zu identifizieren.
  • Fachwissen einholen, um Lösungen sowohl effektiv als auch technisch umzusetzen.

Fazit

Barrierefreie B2B-Software ist mehr als nur eine gesetzliche Pflicht. Sie bietet handfeste wirtschaftliche Vorteile, von der Erschließung neuer Märkte bis hin zu Kostensenkungen und Wettbewerbsvorteilen. Wer jetzt auf Barrierefreiheit setzt, stärkt nicht nur seine Verantwortung, sondern auch seine Marktposition. In einer immer inklusiveren Welt ist barrierefreie Software eine strategische Investition in die Zukunft.

Unsere Experten und Expertinnen stehen Ihnen hierbei in allen Projektphasen gerne zur Seite, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Über den Autor

 

Julian Waimer ist UX Designer Engineer und Bachelor of Science in Ingenieurpsychologie. Seinen umfangreichen Kenntnissen in Kognitionspsychologie und Nutzerzentrierter Produktgestaltung im Arbeitsplatzkontext nutzt er bei M&M für die Definition von Nutzungsanforderungen, die Gestaltung einfach bedienbarer Interfaces und der Beratungen.

 

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